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Digitaler Nachlass: Online-Konten für den Notfall vorbereiten

Fotos, E-Mail, Online-Banking, Streaming und Kontakte gehören für viele Menschen zum Alltag. Mit einer übersichtlichen Liste helfen Sie Angehörigen später – ohne Passwörter offen herumliegen zu lassen.

Das Wichtigste zuerst

  • Erstellen Sie eine Liste der wichtigsten Konten, Geräte und Ansprechstellen.
  • Bewahren Sie Passwörter nicht in einer offenen Datei oder auf einem Zettel am Gerät auf.
  • Legen Sie fest, welche Vertrauensperson wo einen Hinweis auf die Unterlagen findet.

Was zum digitalen Nachlass gehört

Digitaler Nachlass bedeutet nicht nur soziale Netzwerke. Dazu gehören alle digitalen Spuren und Dienste, die Ihnen wichtig sind: E-Mail-Postfächer, Fotos in der Cloud, Messenger, Online-Shops, Abos, Reiseportale, Versicherungszugänge und Kundenkonten.

Auch Geräte sind wichtig: Smartphone, Tablet, Computer, USB-Sticks und Festplatten. Notieren Sie nicht jedes Detail, sondern zunächst die Bereiche, in denen Angehörige etwas finden, kündigen, sichern oder wiederherstellen müssen.

Merksatz: Eine gute Übersicht sagt, welche Dienste existieren und wo sichere Zugangsinformationen hinterlegt sind. Sie muss nicht alle Passwörter im Klartext enthalten.

Eine einfache Übersicht anlegen

Beginnen Sie mit einer Liste auf Papier oder in einer geschützten Notiz. Ordnen Sie sie nach Bereichen:

  • Kommunikation: Haupt-E-Mail, Messenger und wichtige Kontakte.
  • Geld und Verträge: Bank, Bezahldienste, Versicherungen, Strom, Telefon und Abos. Für Kontonummern und rechtliche Fragen gelten die jeweiligen offiziellen Verfahren.
  • Fotos und Dateien: Cloud-Speicher, Computer, Festplatten und USB-Sticks.
  • Einkaufen und Reisen: Online-Shops, Bahn, Flug, Hotel und Kundenkarten.
  • Geräte: Wo liegen Smartphone, Tablet, Computer und Ersatzgeräte?

Schreiben Sie daneben, was passieren soll: behalten, an Angehörige übergeben, kündigen oder löschen. Bei wichtigen rechtlichen oder vertraglichen Fragen holen Sie fachlichen Rat ein.

Zugang sicher organisieren

Eine offene Datei mit allen Passwörtern ist keine gute Lösung. Praktischer ist ein seriöser Passwort-Manager mit einer Notfall- oder Nachlassfunktion. Prüfen Sie vorher, welche Möglichkeiten der Anbieter tatsächlich bietet.

  1. Verwenden Sie ein eigenes, starkes Hauptpasswort.
  2. Aktivieren Sie, wenn möglich, die Zwei-Faktor-Anmeldung. Mehr dazu im Ratgeber Sichere Passwörter und 2FA.
  3. Notieren Sie, wo Wiederherstellungscodes und wichtige Geräte sicher aufbewahrt werden.
  4. Benennen Sie eine Vertrauensperson und vereinbaren Sie, wie sie im Notfall an die Hinweise kommt.
  5. Aktualisieren Sie die Übersicht, wenn sich Konten, Geräte oder Wünsche ändern.

Geben Sie Passwörter niemals per unverschlüsselter E-Mail weiter. Eine vertraute Person kann Ihnen beim Einrichten helfen, sollte aber nur den Zugang erhalten, den Sie wirklich teilen möchten.

Mit Angehörigen besprechen

Das Thema wirkt zunächst unangenehm. Ein kurzes Gespräch kann aber viele Fragen klären. Sagen Sie, wer informiert werden soll, welche Fotos oder Dateien wichtig sind und welche Konten nicht weitergeführt werden sollen.

Beispiel: gemeinsamer Plan

Eine Person weiß, wo die Übersicht liegt. Eine zweite Person kennt den Namen der Vertrauensperson. Die eigentlichen Passwörter bleiben im Passwort-Manager oder in einem verschlossenen Umschlag – nicht sichtbar am Computer.

Besprechen Sie auch Geräte mit Bildschirmsperre. Familienmitglieder sollten nicht versuchen, Schutzmechanismen zu umgehen. Bei Apple-, Google- oder anderen Konten müssen die offiziellen Hilfeseiten und Nachweise des jeweiligen Anbieters beachtet werden.

Wenn plötzlich etwas passiert

  1. Ruhe bewahren und die Vertrauensperson informieren.
  2. Geräte nicht zurücksetzen und keine Dateien löschen, bevor wichtige Fotos und Unterlagen gesichert sind.
  3. Bei finanziellen Konten die Bank oder den jeweiligen Anbieter über die offiziellen Kontaktdaten ansprechen.
  4. Offene Rechnungen, Abos und Vertragsfristen aus der Übersicht prüfen.
  5. Verdächtige Nachrichten oder vermeintliche „Freischaltgebühren“ nicht bezahlen. Mehr dazu: Phishing erkennen.
  6. Nach erledigten Aufgaben Zugänge und Weitergaben dokumentieren.

Diese Schritte sind allgemeine Orientierung und ersetzen keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung.

Checkliste: Digitalen Nachlass vorbereiten

  • Ich habe meine wichtigsten digitalen Bereiche aufgelistet.
  • Ich weiß, wo wichtige Fotos und Dateien gespeichert sind.
  • Meine Zugangsdaten liegen geschützt, nicht offen am Gerät.
  • Wiederherstellungscodes und wichtige Geräte sind auffindbar.
  • Eine Vertrauensperson kennt den Aufbewahrungsort der Hinweise.
  • Meine Wünsche zu Fotos, Konten und Abos sind verständlich notiert.
  • Ich prüfe die Übersicht mindestens einmal im Jahr.

Offizielle Hilfe und wichtige Grenzen

Jeder Dienst hat eigene Regeln für Kontolöschung, Nachweise und Vertragsübernahme. Öffnen Sie dafür die Hilfe direkt über die bekannte Startseite des Anbieters. Nutzen Sie keine Links aus überraschenden Nachrichten, die gegen eine Gebühr eine schnelle Freischaltung versprechen.

Für Nachlassvollmacht, Erbrecht, Bankkonten und laufende Verträge kann eine individuelle Beratung nötig sein. Diese Seite erklärt nur die digitale Ordnung im Alltag und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung.

Guter nächster Schritt: Wählen Sie heute ein wichtiges Konto aus, notieren Sie den offiziellen Anbieter und prüfen Sie, wo die Zugangsinformationen sicher hinterlegt sind.

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